Montag

Wenn die Tür der U-Bahn endlich aufgeht, sind drei Minuten Zeit, um über zwei Treppen auf den Platz zu kommen, auf dem der Bus abfährt. Das heißt: vorne in die Bahn einsteigen, um auch vorne an der Rolltreppe herauszukommen, vor den Langsamen, die sie gleich verstopfen werden. Dann die Stufen im Laufschritt hinauf eilen, am Service-Häuschen vorbei nach links, der Atem geht schwerer. Dann die Steintreppe hinauf. Oben steht meist schon der andere Bus, aber das ist nicht erkennbar, wenn seit Jahren die Brillengläser nicht angepasst wurden. Also geht es im Laufschritt zum Bus, in den man nicht einsteigt.  Stattdessen ist Zeit, die Schlagzeilen der Boulevard-Presse zu lesen und wieder langsamer zu atmen.

Wenn der Bus 100 in einem weiten Bogen an den Taxis vorbei auf den Platz fährt, hat die Morgenmüdigkeit schon wieder die Oberhand gewonnen. Das muffige Innen drückt auf den Magen, aber draußen fahren die Bauten vorbei, die die Stadt so schön machen. Hier und da flattert eine weiß-blaue Flagge, bevor es im Bogen dem Friedensengel entgegengeht.

Abends ist die Statue in den Sonnenuntergang gehüllt. Auto- und Fahrräderscheinwerfer fließen die Straße entlang und der Bus rollt langsam im Scheinwerfermeer den Berg wieder hinab, den er am Morgen hinaufgekrochen ist. Natürlich ist er den ganzen Tag hoch und herunter gefahren, aber das sieht man im Büro nicht. Das Loch in der Erde, das zur U-Bahn hinabführt, leuchtet. Die Fahrerin lächelt, bevor sie die Türen schließt.

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