Tränchen für Frankfurt (Oder)

Viele wollen so schnell wie möglich weg von hier, selbst, wenn sie noch nie da waren. Man tut der Stadt damit Unrecht und auch wieder nicht. Heute war ich in einem Haus, in dem das Dach zum Teil fehlte, weil es letzten Dezember gebrannt hat. Neben den verrußten und verkohlten Balken sah man in die Ferne auf die Stadt, grüne Bäume und den weiten Himmel.
Frankfurt ist kaputt, aber manchmal hat man das Gefühl, als sei es ganz zufrieden damit und irritiert darüber, dass alle an ihm herummäkeln. Man ist nunmal nie perfekt – warum nicht die Kaschiererei sein lassen?

studimeile2heller

Ich selbst bin auch kaputt in diese Stadt gekommen, und sie hat mich zu einem großen Teil geheilt. Ich habe hier echte Freunde. Man schätzt mich in der Uni. Ich habe einen fantastischen Tanzkurs und einen Tanzlehrer, der mir ab und an sachte Komplimente macht, nie aufdringlich, immer so, dass ich mich wertgeschätzt fühle. Das ist mir vorher nur selten passiert.

Heute Nachmittag habe ich die Nachricht bekommen, dass ich einen Master-Studienplatz in München bekommen habe. Ich wollte das unbedingt. Es ist ein guter Studiengang und einige Dinge haben mich hier auch gestört. Dennoch macht es mich traurig. Diese Stadt gehört mittlerweile zu mir. Ich fühle mich in ihr geborgen. Man soll gehen, wenn’s am schönsten ist? Blöde Sprüche konnte ich noch nie leiden, aber in diesem Fall sehe ich tatsächlich, dass der Höhepunkt wahrscheinlich überschritten ist und ich neue Anregungen brauche, vor allem, was das Studium angeht. Vielleicht aber auch, was meinen Lebensentwurf betrifft. Oder kann man immer so halb kaputt sein wie diese Stadt?

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