Vor allem aus Sprachlerngründen kaufte ich mir vor kurzem in einem Wrocławer Supermarkt den Film „Ida“. Ansonsten wäre ich nicht auf die Idee gekommen auf gut Glück eine DVD zu erwerben, vor allem nicht eine mit einer Nonne auf dem Cover. Doch siehe da: dies ist ein ganz besonderer Film, einer von jenen, denen man an sich Unrecht tut, wenn man versucht Inhaltsangaben zu erstellen. Was besticht: die Atmosphäre und die Hauptcharaktere.

Anna ist eine sehr ruhige, wissende Person, nichts scheint sie so schnell von ihren Prinzipien und ihren Zielen abbringen zu können. Alles ist genau durchdacht. Ein Winter in den 1950er Jahren, in dem Kloster, in dem sie seit Kindertagen lebt, restauriert sie eine Jesusstatue in einem heruntergekommen Schuppen. Was Anna bisher nicht wusste: sie hat noch eine Tante, Wanda, die plötzlich auf der Bildfläche auftaucht. Oder besser gesagt: sie beantwortet die Briefe der Oberin des Klosters endlich. Diese besteht darauf, dass Anna, bevor sie ihre Schwüre ablegt, zu ihr reist.

Die „rote Wanda“ scheint das komplette Gegenteil ihrer Nichte: atheistisch, sozialistisch, extrovertiert, dem Alkohol nicht abgeneigt – kurz: das Leben in vollen Zügen genießend. Wenig barmherzig erklärt sie Anna aus heiterem Himmel, sie sei eine jüdische Nonne; ihre Eltern seien während des Nationalsozialismus ermordet worden. Außerdem sei ihr wirklicher Name „Ida“.

Ich habe mich in diese beiden Frauen verliebt, in jede auf ihre Weise und auch ein bisschen, weil sie so miteinander umgehen, wie sie es tun. Wanda ist eine starke Frau, sie ist souverän und nimmt schert sich nicht um die Regeln. Andererseits hat sie den Mord an ihrer Schwester und ihrem Baby nie überwunden. Dieser Schmerz wird nicht ausgesprochen, er wird bis zum Zerbersten, bis zum Ende gezeigt. Er besteht aus Alkohol, Zigaretten und Wut. Ida dagegen ist still. Es tut gut, wenn ein Film Stille aushalten kann, noch viel angenehmer ist es, wenn er die Stille seiner Hauptperson umarmt. Ida wirkt im Gegensatz zu ihrer Tante auf den ersten Blick nicht selbstbewusst. Aber sie ist es, denn sie ruht in sich. Sie stellt ihr Leben im Kloster radikal in Frage, aber sie sagt es nicht; sie schreit es nicht heraus, sie macht es mit sich selbst aus.

Eine wunderbare Geschichte.

 

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