Her mit der Herausforderung! #fmhb2018

Am 1. September nahm ich das erste Mal an einem Fotomarathon teil: In neun Stunden mussten neun Fotos zu etappenweise herausgegebenen Themen geschossen werden. Das Oberthema lautete, passend zum Bremer Raumfahrtjahr 2018, “Per Kamera durch die Galaxis”. Eine Bearbeitung der Bilder im Nachhinein war ausgeschlossen, die Bilder mussten in der richtigen Reihenfolge und im Querformat aufgenommen werden – und im ersten Bild musste die Startnummer sichtbar sein. Der Startpunkt, an dem die ersten drei Themen ausgegeben wurden, war der Bremer Flughafen.

 

Ich hatte mich im Vorhinein sehr auf die den Tag gefreut. An thematischen oder technischen Herausforderungen habe ich innerhalb des letzten Jahres immer mal wieder auf der Fotoplattform 365project.org teilgenommen. Der Unterschied: Dort hatte ich meist ein bis zwei Wochen Zeit für die Umsetzung, hier nur eine Stunde. 

1. Erster Kontakt

Das größte Problem am Anfang war aber, dass ich nirgendwo meine Startnummer fand, um sie ins Bild zu integrieren. Nach einer halben Stunde des Herumirrens in Terminalhalle 1 entschloss ich mich, mir einfach ein passendes Motiv zu suchen und entweder meine Teilnahmekarte oder eine selbstgemalte 57 dazu zu legen. Allerdings funktionierte das überhaupt nicht. Mir war wichtig, die Spiegelung im Wasser auf das Bild zu bekommen – dafür musste ich auf die andere Seite des Baches.

Von da aus konnte man aber weder meine selbstgemalte Zahl noch meinen Ausweis erkennen. Hinzu kam, dass ich mich zunehmend selbst unter Druck setzte. Ich fand mein Motiv nicht kreativ genug. Man erkannte die Spiegelung nicht. Ich hatte meine Filter vergessen und die Farbgebung meiner Fotos erschien mir dadurch nichtssagend. Ich sah immer wieder andere Fotografierende mit wahnsinnig professioneller Ausrüstung und hatte Angst, dabei beobachtet zu werden, wie ich unfachmännisch Bilder machte. Ich wollte auch nicht dabei gesehen werden, dass ich auch nach mehr als einer Stunde noch immer bei Bild 1 festhing. Mir liefen Leute ins Bild. Irgendwann war ich an einem Punkt angelangt, an dem meine Stimmung total ins Negative zu kippen drohte – und da zog ich endlich die Reißleine. Wozu machte ich mir diesen Stress? Ich hatte mich angemeldet, weil ich Spaß haben wollte. Wieso erwartete ich von mir Profi-Hochglanzbilder? So ein Unfug. Von da an ging es bergauf.

 

2. Völlig losgelöst

Zum Glück wusste ich schon, welches mein zweites Motiv sein sollte, bevor ich das erste gefunden hatte. Allerdings schwankte ich noch, wie ich es aufnehmen wollte und ob ich eine schwarz-weiß-Serie erstellen wollte oder lieber farbige Bilder. Schwarz-weiß ist meist leichter: Es fällt eine Komponente weg, auf die ich mich konzentrieren muss. Schwarz-weiß-Bilder sehen oft durch die Reduktion schon vielsagender aus. Andererseits finde ich sie in vielen Fällen zu gekünstelt, daher nahm ich bis zum 6. Bild alle Motive sowohl farbig als auch in SW auf. Danach entschied ich mich endgültig für farbig. 

Im Nachhinein gefallen mir Varianten dieses Fotos, auf denen ich einen größeren Teil des Kunst-Flugobjekts fotografiert habe, besser. Auch bei anderen Bildern schüttle ich im Nachhinein den Kopf über meine Entscheidungen.

Eine andere Teilnehmerin sprach mich während meiner Aufnahmen für Thema 2 auf meine Systemkamera an und wir unterhielten uns über die Vor- und Nachteile. Wir waren uns außerdem einig darin, dass wir in unseren Bildern etwas von der Stadt festhalten wollten und die Themen deswegen nicht zu abstrakt interpretieren wollten. Überhaupt: Die Angst, irgendwelche Kritik von den anderen Teilnehmenden fürchten zu müssen, war einfach nur irrational gewesen. Alle, die ich im Laufe des Tages traf, waren nett, interessiert und hilfsbereit.

 

3. Lichtgeschwindigkeit

Nachdem ich mein zweites Bild geschossen hatte, war es bereits 12.45 Uhr. Der Ausgabepunkt für die nächsten drei Themen war in der Innenstadt und ich musste ihn bis 13.30 Uhr angelaufen haben. Ich entschloss mich, auf dem Weg dorthin nach einem passenden Motiv Ausschau zu halten und dachte dabei an vorbeifahrende Straßenbahnen oder Ampeln. Aber beides reizte mich nicht besonders. Ich stellte mein Fahrrad neben dem Dom ab und hatte eine Idee: Auch wenn Licht wahnsinnig schnell ist, wirkt es oft sehr ruhig – zum Beispiel in einer Kirche.

Nach fünf Minuten im Dom wurde dieser für Besichtigungen geschlossen, weshalb ich mich mit dem zufriedengeben musste, was ich bis dahin fabriziert hatte. Aber das war ich auch, denn ich hatte meinen Spaß wiedergefunden. In der Markthalle Acht holte ich mir die nächsten drei Themen ab.

 

4. ALLumfassend

Ich war gerade erst für mein vorheriges Foto im Dom gewesen und ärgerte mich ein bisschen, denn dieses nächste Thema schrie geradezu nach einer religiös angehauchten Interpretation. Nachdem ich ein Crêpe zu Mittag gegessen hatte, begab ich mich in die Liebfrauenkirche. Ich war nicht die einzige Teilnehmerin mit dieser Idee und ich bin gespannt, wie die anderen Liebfrauen-Fotos aussehen. Dieses Bild ist mein liebstes des ganzen Tages: Allumfassend kann hier sein: das Licht, Gott – und die Lampen: sehen sie nicht aus wie Himmelskörper?

 

5. Hinter dem Mond

An der Fassade der Bürgerschaft hängen Bronzereliefs von Bernhard Heiliger, die mich schon immer an eine Mondkraterlandschaft erinnert haben. In den Fenstern der Bürgerschaft, hinter dem Mond, spiegelt sich das Rathaus.

 

 

6. Supernova

Sobald ich den Marktplatz mit meinen drei neuen Aufgaben (ALLumfassend, Hinter dem Mond und Supernova) betrat, wusste ich, dass ich die Seifenblasen für Supernova verwenden wollte und bangte, ob der Seifenblasenmann noch da sein würde, wenn ich die anderen beiden Bilder geschossen hatte.

War er. Aber es war gar nicht so einfach, die Kamera gerade zu halten, die schönsten Seifenblasen einzufangen UND noch etwas von den Gebäuden am Marktplatz auf’s Bild zu bekommen.

Auch hier schoss ich mehr Fotos, als ich am Ende überblicken konnte, sodass ich mehr oder weniger wahllos eines herausgriff.

 

7. Außerirdisch

Nach dem sechsten Bild musste ich nach Hemelingen, um mir die letzten drei Themen abzuholen. Auf dem Weg kam ich zu Hause vorbei und legte 40 Minuten Kaffeepause ein, bevor es weiter ging.

Haarscharf kam ich um 17.26 Uhr – vier Minuten vor Schluss – an der Station an. Ich war trotz Kaffee nun ein bisschen müde und überlegte, ob ich für die nächsten drei Themen direkt in Richtung Olbers-Planetarium, der Endstation, fahren sollte. Mir fiel beim besten Willen nicht ein, wie ich in Hemelingen etwas “Außerirdisches” finden sollte. Wie der Zufall so will, sah ich auf meinem Weg innerhalb kürzester Zeit gleich drei Motive. Es lief. Allerdings bekam ich nun Probleme mit dem Licht: die Sonne ging langsam unter.

 

8. Unendliche Weiten

Was bietet sich für dieses Thema besser an, als die Weser? Ich war auch wirklich nicht die einzige, die am Weserwehr ihre Kamera auspackte. Ich genoss das Wetter und radelte langsam in Richtung Innenstadt zurück.

 

9. Ist mir Schnuppe

Ich liebe diesen Baum, seitdem ich ihn das erste Mal vor mehreren Jahren sah. Er strahlt eine unglaubliche Ruhe aus, ihm scheint alles egal zu sein. Und mir war endgültig Schnuppe, ob meine Bilder einen Weltraum-Bezug hatten oder nicht. Der Tag hatte Spaß gemacht. Ich wählte im Schnellverfahren die Bilder aus, die ich abgeben wollte, und kam etwas verspätet gegen 20.15 Uhr am Olbers-Planetarium an. Dort erhielten wir noch eine kurze Vorführung zum aktuellen Sternenhimmel. Die hätte ich vorher gebraucht! Dann wäre ich vielleicht mehr auf das Galaxie-Thema eingestiegen.

 

Werde ich im nächsten Jahr wieder antreten?

Ja! Denn der Fotomarathon war lustig und herausfordernd und ich habe gemerkt, wie sehr ich mich sonst darauf verlasse, meine Fotos noch zurechtschneiden zu können, den Farbton zu ändern oder die Belichtung etwas nach oben zu setzen. Das hätte ich in dem Ausmaß wirklich nicht gedacht! Ich nehme von dem Tag mit, dass ich gelernt habe, genauer hinzuschauen, bevor ich abdrücke. Vor allem aber möchte ich in Zukunft mehr daran arbeiten, mich von meinen überzogenen Erwartungen mir selbst gegenüber zu befreien. Ja, meine Fotos sind verbesserungswürdig, aber ich habe den Marathon geschafft und zu jeder Aufgabe ein Motiv gefunden. Juchhu! Nächstes Jahr möchte ich außerdem gerne mit ein Team unterwegs sein, mit dem ich mich unterhalten und in dem man sich unterstützen kann. Last not least: Für das nächste Mal nehme ich mir vor, eine stringente Serie zu fotografieren, die farblich und thematisch aufeinander abgestimmt ist.

Auch andere Teilnehmende haben ihre Fotos hochgeladen: In der Facebook-Gruppe, ihrem eigenen Blog und auf flickr.

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