gelesen

Als Kind war meine wichtigste Beschäftigung: lesen. Mit der Zeit scheine ich verlernt zu haben, einfach so ein Buch nach dem anderen zu lesen, ohne schalen Beigeschmack. Ich vermisse es schmerzlich.

Juli Zeh: Unterleuten

“Für Kathrin waren die Abende Zeiten des Glücks. Sie liebte Bücher, besonders Romane, und unter den Romanen vor allem die dicken. In allen Büchern, die Kathrin kannte, war die Welt auf wunderbare Weise in Ordnung. Selbst wenn das Leben der Figuren auf katastrophale Weise schief ging, selbst wenn nach allen Regeln der Kunst gequält und gelitten wurde, so besaßen Qual und Leiden doch immer einen Sinn, und wenn keinen Sinn, dann immerhin Zusammenhang und folglich Bedeutung.”

Margaret Atwood: The Handmaid’s Tale

In diesem Text geht es um (sexuelle) Gewalt. Zugegeben: Ich bin nicht zufällig gerade jetzt auf gerade dieses Buch von gerade dieser Autorin gestoßen, ich bin mehrfach gestoßen worden. Erstens war da die Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandelns an Atwood. Zweitens schaltete ich  sonntags das Radio an, und aus dem Radio kam Eva Menasses Stimme, die mir ihre Deutung von “The Handmaid’s Tale” nahebrachte. Am Ende sagte der Moderator etwas Zusammenfassendes, in etwa: Das

Wo ist hier die Liebesgeschichte? (John Irving: Straße der Wunder)

Vor einigen Tagen griff sich eine Freundin, die gerade zu Besuch war, John Irvings Straße der Wunder kurz bevor ich es fertig gelesen hatte und zitierte (ausschließlich) dies vom Klappentext: “Und eine der überraschendsten und zärtlichsten Liebesgeschichten, die Irving je geschrieben hat.” Es war einige Zeit her, dass ich mir den Klappentext zu Gemüte geführt hatte und staunte. In die Kategorie “Liebesroman” hätte ich das Buch nicht sortiert. “Glauben, Sex, Verlust und Tod” (auch Klappentext),

Die Unvollendete

“Man lebt nur einmal. Wirklich? Ursula Todd kann ihr Leben wieder und wieder leben und so die Fehler, die sie macht, korrigieren. Sie glaubt, dass sie auf diese Weise das Schicksal für sich und ihre Familie zum Besseren wenden kann. Doch was ist ein perfektes Leben?” Der Klappentext von Kate Atkinsons “Die Unvollendete” klingt etwas dröge, weshalb ich mich vor anderthalb Wochen nicht wunderte, dass es ungelesen im Bücherschrank steht – höchstens, warum ich es

Flieh. Und nimm die Dame mit.

In den letzten Jahren, um genauer zu sein: seit Beginn meines Studiums, war ich eine verzweifelte Leserin. Wenn ich einmal Zeit fand mir etwas anderes als die Pflichtlektüre zu Gemüte zu führen, langweilte ich mich oft schon nach wenigen Seiten. Die Verzweiflung schlich sich deshalb ein, weil ich mich jahrelang über das Lesen definiert hatte – und nahezu alles verschlang. Nun das: ich schien nicht mehr fähig zu lesen. Allerdings stimmte das zum Glück nicht,